OKI-Logo Aufstellung der Handreliquie
des hl. Bischofs und Kirchenlehrers
Johannes Chrysostomus
im Regensburger Dom
am 13. September 2002


Foto von der Aufstellung der Reliquie
Aufstellung der Handreliquie des hl. Johannes Chrysostomus in Gegenwart des gesamten Domkapitels
und Vertretern der Patriarchate von Moskau, Bulgarien, Rumänien und der Altgläubigen aus Moskau

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
wir sind heute Zeuge, wie die Handreliquie des hl. Bischofs und Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus (Ikone) an der nördlichen Chorwand des Domes ihren Platz erhält. Es ist der geeignetste Platz, der sich für diese wertvolle Reliquie finden ließ.

Der heilige Johannes Chrysostomus ist im Jahr 407 in der Verbannung gestorben. Er hat 1204 sein Grab in der Peterskirche in Rom erhalten.
Papst Pius X. erklärte am 8. Juli 1908 den hl. Johannes Chrysostomus zum Patron der Prediger. In Russland heißt eine Stadt nach seinem Ehrennamen Zlatoust (russ. Chrysostomus).
Die Reliquie seiner Hand erhielt Fürstbischof Wilhelm von Wartenberg im Jahr 1652 von Abt Jakob Torwert aus dem Kloster Iburg bei Osnabrück. Seitdem wurde die Reliquie im Domschatz aufbewahrt, zuletzt auf der Empore der St. Ulrichskirche. Orthodoxe Priester haben oft bedauert, dass dieser kostbare Reliquie des großen Predigers nicht mehr Ehre und Verehrung zuteil werde. Deshalb wurde nun der bevorzugte Platz an der Nordwand des Chores ausgewählt, wo sie heute aufgestellt wird.
Das Ostensorium wurde im Jahr 1878 von Xaver Fröhlich angefertigt. Der Lateinische Text, der um die Trägerplatte herumläuft, lautet in deutscher Übersetzung:

"Bitte für uns den Sohn Gottes,
seliger Johannes Chrysostomus,
bester Lehrer, Licht der Kirche
und Liebhaber des göttlichen Gesetzes."

Ausgehend von seinem Ehrennamen Chrysostomus (griech. Goldmund), der ihm schon im 6. Jahrhundert zugesprochen wurde, möchte ich in aller Kürze drei Gedanken vortragen.

  1. Bischof Johannes hat den Ehrennamen "Goldmund" nicht etwa deshalb erhalten, weil er den Leuten nach dem Mund geredet und dadurch ihren Beifall gefunden hätte. Sondern weil er die ewige Wahrheit des Evangeliums eindrucksvoll und überzeugend darzustellen verstand, auch wenn er dabei auf Widerstand stieß.
    Ein Wort, das diese Behauptung belegt sei wörtlich zitiert: "Eine Überzeugung, die sich auf Vernunftbeweise stützt, kann sich wieder ändern. Wer aber im Glauben gefestigt ist, hat für alle Zukunft seine Ohren gegen glaubensfeindliche Einflüsse taub gemacht."
  2. "Goldmund" hat aber nicht ausschließlich das beeindruckende Zeugnis im Wort vor den Menschen im Blick, sondern den aus dem Herzen kommenden Lobpreis Gottes. Chrysostomus war nicht nur ein begeisternder Redner, sondern auch ein großer Beter. Er hat nicht bloß das persönliche Gebet geliebt, sondern auch das gemeinsame Gebet in der Liturgie gefördert. Heute noch ist die "Heilige und Göttliche Liturgie unseres Vaters unter den Heiligen Johannes Chrysostomus" die meist verbreitete Liturgie in den Ostkirchen.
    Seine Hand, die sich so gern zum Beten erhob und die Menschen anleitete, auch ihre Hände zum andächtigen Gebet zu erheben, erinnert uns daran und mahnt dazu: Gut zu beten als Einzelne und als Gemeinschaft, zur Ehre Gottes und für das Heil der Menschen.
  3. Die Hand des hl. Johannes Chrysostomus erinnert uns auch an sein Tun und an sein Leben, wie die Hand Gottes für das mächtige und segensreiche Handeln Gottes steht. Dazu schreibt Chrysostomus vor seinem Weggang in die Verbannung an seine Gemeinde in Konstantinopel: "Stets sage ich: Dein Wille geschehe … Wenn Gott will, dass die Verbannung kommt, so soll es geschehen. Wenn er will, dass ich hier bleibe, so danke ich ihm. Wo immer er will, dass ich bin, da danke ich ihm … Wenn auch mein Leib stirbt, die Seele lebt und gedenkt des Volkes."
    Das gilt auch für uns: Johannes Chrysostomus erhebt im Himmel seine betenden Hände auch für uns. Und er erinnert uns an das Wort Jesu: "Nicht jeder, der zu mir sagt: ‘Herr, Herr!’, wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut."

Zum Schluss möchte ich noch an die wohl berühmteste Schrift des hl. Johannes Chrysostomus erinnern, an seine Schrift über das Priestertum. Darin schreibt er: "Der Heilige Geist selbst hat dieses Amt gestiftet und hat Menschen bevollmächtigt, den Dienst zu verrichten, der über dem Dienst der Engel steht … Fühlst du dich da nicht in den Himmel versetzt?" (Kap. 4, 141)
Der Herausgeber der deutschen Übersetzung in der Bibliothek der Kirchenväter hat den Wunsch formuliert: "Möge insbesondere den Priestern und Priesteramtskandidaten die Lektüre dieser Perle aus der Patristik zur Quelle heiliger Begeisterung und lautetet Berufsfreude werden!"
Ich füge hinzu: Möge die geistige Gegenwart des hl. Johannes Chrysostomus, die in seiner Hand zum Ausdruck kommt, den Besuchern des Regensburger Doms helfen, dass sie in der Glaubensfreude und in der Kraft zum Glaubenszeugnis wachsen.

Diözesanadministrator
Vinzenz Guggenberger

Ich habe kein Feuer in meiner Rechten,
sondern eine Lehre, die stärker ist als Feuer,
die nicht eine Brandwunde verursacht,
sondern die Gewohnheit des Bösen ausrottet
und statt Schmerzen viel Freude dem gewährt,
der sich vom Übel befreien lässt.

hl. Johannes Chrysostomus