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Russischer orthodoxer Theologe und Bischof
habilitiert an der Theologischen Fakultät Fribourg

 

Darstellung in französischer Sprache

Bischof Hilarion bei der Vorlesung

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Der Großkanzler der Fakultät Fribourg, der Ordensmagister der Dominikaner, ernannte den russischen orthodoxen Bischof Hilarion Alfeyev (*1966) zum Privatdozenten der Theologischen Fakultät und erteilte ihm die Lehrbefugnis für das Fach Dogmatik. Bischof Hilarion, der ein philosophisches Doktorat in Oxford und ein theologisches Doktorat am Orthodoxen Institut St. Serge in Paris erwarb und über 250 Publikationen in russischer sowie in westeuropäischen Sprachen aufweisen kann, hatte sich zuvor dem ordnungsgemäßen Habilitationsverfahren der Fakultät unterzogen, an dem Prof. Nicolas Lossky vom Institut St. Serge als externer Gutachter mitwirkte. Als Habilitationsschrift reichte Bischof Hilarion eine französischsprachige Untersuchung zu den Debatten über die Namen-Gottes-Verehrung ein, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Berg Athos ausgingen. Diese Studie wird in den "Ökumenischen Beiheften"des Freiburger Instituts für Ökumenische Studien veröffentlicht werden, wo bereits 2003 Hilarion Alfejevs "Einführung in die orthodoxe dogmatische Theologie" unter dem Titel "Geheimnis des Glaubens" erschienen ist.

Am symbolträchtigen letzten Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen, dem 25. Januar 2005, hielt Bischof Hilarion im Senatssaal der Universität Freiburg seinen öffentlichen Habilitationsvortrag zum Thema "Die ekklesiologischen Fundamente der Soziallehre der Kirche". Er verglich darin das Dokument "Grundlagen der sozialen Konzeption der Russischen Orthodoxen Kirche", das vom Bischofskonzil des Moskauer Patriarchats im Jahr 2000 verabschiedet wurde, mit dem "Kompendium der Soziallehre der Kirche", das der Päpstliche Rat Justitia et Pax im Jahr 2004 veröffentlichte. Dabei zeigen sich weitreichende theologische Übereinstimmungen im Verständnis des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat. Während in westlichen Medien oft der Verdacht geäußert wird, dass die Russische Orthodoxe Kirche die Rolle einer russischen Staatskirche einnehmen wolle, proklamiert das Konzilsdokument klar die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat und formuliert das Recht des zivilen Ungehorsams, wenn die Staatsmacht dem Gebot Gottes widerspricht. Einige kritischen Stimmen aus politischen Kreisen Russlands zu diesen Aussagen bestätigen die Verwunderung über die innere Unabhängigkeit der russischen orthodoxen Kirche.

Bischof Hilarion arbeitete heraus, dass im Kompendium der katholischen Soziallehre die menschliche Person als "Fundament und Ziel des politischen Lebens" im Zentrum steht, während das Moskauer Konzilsdokument den Menschen von vornherein in seiner ekklesiologischen Berufung betrachtet. Der "integrale und solidarische Humanismus" des Kompendiums sei nicht immer vermittelt mit der sozialen Bedeutung der Kirche. Die Kirche bleibe eher "Mater et Magistra", Lehrerin der sozialen Ordnung, nicht Ort ihrer sakramentalen Verwirklichung. An dieser Stelle könne das weitere ökumenische Gespräch ansetzen. Das folgende Kolloquium mit den Professoren konzentrierte sich vor allem auf das gemeinsame Zeugnis der Christen angesichts eines neuen, militanten Säkularismus in Europa.

Bischof Hilarion Alfeyev ließ in diesem Bereich viele eigene Erfahrungen in die Diskussion einfließen. Seit Juli 2002 leitet er die Vertretung des Moskauer Patriarchats bei den Europäischen Institutionen in Brüssel. Seit Mai 2003 ist er zugleich Bischof für Wien und Österreich sowie Administrator der Diözese von Budapest und Ungarn. Nach der zunächst musikwissenschaftlichen Ausbildung trat Alfeyev 1987 in das Kloster des Heiligen Geistes in Vilnius, Litauen, ein und empfing in demselben Jahr die Priesterweihe. Bis 1991 wirkte er als Priester, dann als Dekan der Kathedrale in Kaunas. Es folgte die theologische Ausbildung an der Moskauer Theologischen Akademie sowie eine erste theologische Lehrtätigkeit. 1995 bis 2001 arbeitete Hilarion Alfejev als Sekretär für die ökumenischen Beziehungen im Kirchlichen Außenamt des Moskauer Patriarchats. Nach seiner Bischofsweihe am 14. Januar 2002 war er vorübergehend als Weihbischof der Diözese Suro in Großbritannien tätig. Bischof Hilarion ist Mitglied des Zentralkomitees und des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen, gehört dem Präsidium der Kommission Glaube und Kirchenverfassung an und wirkt in mehreren bilateralen ökumenischen Gesprächskommissionen mit, unter anderem in der orthodox-katholischen Kommission.

Die Dekanin der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Barbara Hallensleben, überreichte Bischof Hilarion am 19. Februar 2005 feierlich seine Venia legendi. Der neue Privatdozent wird seine Lehrverpflichtungen ab dem Sommersemester 2005 wahrnehmen und wird zu einer Präsentation seiner Habilitationsschrift Anfang April wieder in Freiburg erwartet. Seine Mitwirkung in der theologischen Ausbildung bestätigt das Engagement der Freiburger Fakultät im Bereich der Theologie der Ökumene, die eines der Kompetenzzentren der Fakultät darstellt. An der Fakultät, die für ihre ökumenische Offenheit und für ihr vielseitiges ökumenisches Engagement international bekannt ist, sind derzeit eine erhebliche Zahl von orthodoxen Studierenden eingeschrieben.

Die Ernennung eines russischen orthodoxen Bischofs zum Privatdozenten einer Theologischen Fakultät in katholischer Tradition ist ein ermutigendes Zeichen, dass die Anerkennung der orthodoxen Kirchen als Schwesterkirchen der katholischen Kirchen auch auf der theologischen Ebene volle Anwendung findet.